
Es ist wieder die Zeit gekommen, die uns erinnert, wie schnell die Zeit vergeht. Während die Tage immer kälter und kürzer, erleuchten Städte als auch Orte in heller Dekoration. Die Weihnachtszeit ist wieder da! Eine Zeit, die stark christlich geprägt ist und uns eigentlich an Werte erinnern soll, ist für viele Menschen eine sehr anstrengende Zeit. Heute begleiten uns um Aufmerksamkeit rufende Rabattangebote und Stress die Zeit. Was ist aus Weihnachten geworden?
Der Ursprung
Weihnachten ist zeitlich gesetzt in der Zeit, wo Jesus Christus geboren wurde. Schon als Kind wurde mir schon in der Volksschule beigebracht, dass Weihnachten christlich ist. Neben Kerzen, Organgennelkendurft und Christbaum schmücken, haben wir immer biblische Weihnachtslieder gesungen. Tatsächlich liegt der Ursprung von Weihnachten in der Antike. Christliche Autoren diskutierten schon im 2. Jahrhundert über den eigentlichen Geburtstag von Jesus. Denn interessant ist, dass die christliche Weihnachtsfeier keine unmittelbaren Wurzeln in der frühen Kirche haben. Die Urchristen lehnten bis zum zweiten Jahrhundert Geburtstage ab. Kirchenväter „verspotteten“ dieses Heidentum, Geburtstage zu feiern. Erst im Laufe der Zeit wuchs, der Wunsch Jesus wieder menschlich werden zu lassen und auch zu feiern. Die früheste schriftliche Quelle für eine Feier des 25. Dezember stammt aus einer römischen Bischofsliste (dem Depositio martyrum), die 354 erstellt wurde. Sie notiert für das Jahr 336: „25 Dezember: natus Christus in Betlehem Iudae“ – Christus wurde in Bethlehem geboren.
Andere Elemente kamen später dazu: Der heilige Nikolaus, ein Bischof aus dem 4. Jahrhundert, wurde wegen seiner Hilfsbereitschaft verehrt; aus ihm entwickelte sich in Nordeuropa der Gabenbringer Sinterklaas, der in den USA schließlich zu Santa Claus wurde. Der Weihnachtsbaum entstand im 16. Jahrhundert in Westdeutschland aus dem sogenannten Paradiesbaum, der mit Äpfeln geschmückt war und biblische Szenen darstellte. Erst viel später wurde er zum zentralen Symbol des häuslichen Weihnachtsfests. So wuchs Weihnachten Stück für Stück, weniger geplant als vielmehr zusammengewachsen aus religiösen Ideen, regionalen Bräuchen und späteren Erfindungen.
Überkonsum und Stress
Die Adventzeit in Kerzenschein, Räucherduft und Weihnachtszeit, ist für viele Menschen leider nicht gemütlich. Aktuelle Umfragen zeigen, dass rund 40% der Deutschen den Dezember als stressiger empfinden als den Rest des Jahres. Knapp ein Viertel der Befragten spricht sogar von einer sehr hohen Belastung. Die Ursachen liegen viel in dem Druck Geschenke besorgen zu müssen, Reizüberflutung, aggressive Rabattwerbung und der Stress in der Planung. Diese Dinge spielen eine Rolle neben der Tatsache, dass die normalen Tätigkeiten, wie Arbeit, Kinder und sonstige ToDo´s auch anstehen.
Gleichzeitig ist genau dieser Konsum mit Geschenken, Essen und möglichen Urlaub eine treibende Kraft hinter unserem ökologischen Dilemma. Die Handelsbranche erwirtschaftete 2023 allein an Black Friday und Cyber Monday 5,8 Milliarden Euro Umsatz. Nächstenliebe, Bescheidenheit und auch gemeinsame Zeiten sind leider weniger da.
Ignoranz und Traditionen
Traditionen sind wichtig. Sie geben ins Halt, Identität und auch Werte. Dennoch sehen wir gerade am Weihnachtsfest, dass sich Traditionen sich immer schon verändert haben. Bereits vor 200 Jahren gab es im deutschsprachigen Raum Adventskränze und Heiligabendbescherungen, aber das Ausmaß der Geschenkemenge war ein anderes. Inzwischen geben Deutsche durchschnittlich über 500 Euro für Geschenke aus. Viele Traditionen rund um Weihnachten entstanden in Zeiten, in denen Ressourcenverbrauch kaum hinterfragt wurde. Heute leben wir im Kontext eines sich beschleunigenden Klimakollaps, und dennoch halten wir an Bräuchen fest, als hätte sich die Welt nicht verändert. Der hohe Energiebedarf für Beleuchtung, die Masse an kurzlebigen Geschenken und der durch Rabatttage befeuerte Überkonsum wirken wie ein kollektives Wegschauen.
Vielleicht müssen wir zurückfinden, was Weihnachten war, nämlich die Zeit für Besinnung, Entspannung und zum Abschalten. Wie wäre es mit Weihnachten ohne Geschenke und Überkonsum. Weniger Dekoration reicht auch aus, um in Stimmung zu kommen.
Am Ende stellt sich die Frage, ob Traditionen uns leiten oder bloß festhalten – und ob Weihnachten nicht gerade heute die Chance bietet, Verantwortung und Verbundenheit über Gewohnheit zu stellen.
