Veganismus, Tierethik und Umwelt

Ist Weihnachten feiern ein Privileg?

Wie feiern wir, wenn die Erde langsam ausschaltet?

Ein wissenschaftlicher Befund hat mir in diesen Tagen die Weihnachtsstimmung deutlich gedämpft: Klimaforschende sehen Anzeichen, dass die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation (AMOC), zu der auch der Golfstrom gehört, schwächer wird. Wenn die Erderwärmung ungebremst bleibt, wird sich diese Strömung weiter verlangsamen. Das ist verdammt schlecht.

 Die Strömungen helfen Wärme zu transportieren und stabilisieren auf der Erde das Wetter. „Ein langsamer werdender AMOC bedeutet nicht nur „kalte Winter in Europa“ als Schlagzeile, sondern systemische Veränderungen im globalen Klima. “ Das bedeutet auch, dass die Niederschlagszonen sich verändern mit ihren Ökosystemen. 

Politisches Versagen, müde Gesellschaft

Das andauernde gesellschaftliche und politische Versagen in der Klimakatastrophe, hält diese Entwicklung nicht auf. Auch die Feiertage zu Weihnachten verändert nichts an der Situation.

In einer leistungsorientierten Gesellschaft sind viele erschöpft. Sie nehmen sich an Weihnachten bewusst eine Pause von Nachrichten, Krisen und der Überforderung. Urlaub vom Weltgeschehen ist menschlich verständlich. Aber in der Klimapolitik haben wir die notwendige Wende bisher nicht geschafft – jedenfalls nicht in dem Ausmaß, das kommende Generationen bräuchten, um eine stabile Lebensgrundlage zu haben.

Die EU hat sich erneut auf ein Klimaziel geeinigt: Bis 2040 sollen die Treibhausgasemissionen um 90 % sinken. Gleichzeitig ist klar, dass das vorherige Zielpfad bis 2030 – mindestens 55 % Reduktion – voraussichtlich verfehlt wird. Projekte wie der Climate Action Tracker stufen den aktuellen Kurs als „insufficient“ ein: Die Maßnahmen reichen nicht aus, um das 2030-Ziel mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erreichen.

Zwischen wissenschaftlicher Dringlichkeit und politischer Realität klafft eine Lücke. Diese Lücke füllen wir oft mit Hoffnung, Ablenkung – und eben auch mit Festtagsromantik.

Festtagsgedenken und der ethische Spiegel

Was bedeutet es überhaupt zu feiern, wenn wir wissen, dass grundlegende Klimasysteme unter Stress stehen? Was heißt „Frohe Weihnachten“, wenn Meeresströmungen sich verlangsamen und wir gleichzeitig so tun, als wäre alles im Großen und Ganzen in Ordnung?

Weihnachtliche Traditionen erzählen gern von Werten: Innehalten, Nächstenliebe, Mitgefühl. Wenn wir Tiere respektieren und schützen wollen, die Umwelt achten und eine Welt erhalten möchten, in der Zivilisation stabil weiterbestehen kann, dann muss unser Festdenken dazu passen.

In einer Welt unter planetarem Stress funktioniert die gewohnte Festtagsfreude im Luxusmodus nicht mehr. Echte Empathie bedeutet, nicht nur an den eigenen Heiligen Abend zu denken, sondern daran, was danach kommt – und wie es anderen Individuen geht: Menschen in vulnerablen Regionen, nichtmenschlichen Tieren, zukünftigen Generationen.

Ein veganes Weihnachten ist in diesem Kontext mehr als ein anderer Speiseplan. Es ist ein Signal: dass wir nicht weiter Teil eines Systems sein wollen, das Tiere ausbeutet, Ressourcen verschwendet und ökologische Grenzen ignoriert. Gerade wenn Klimasysteme wie die AMOC in Stress geraten – und Studien eine Abschwächung im 21. Jahrhundert als sehr wahrscheinlich ansehen, auch wenn die genauen Entwicklungen komplex sind – dann ist vegan nicht nur Ernährung, sondern auch politische Haltung.

Feiern – aber wie?

Die Frage „Feiern oder nicht feiern?“ ist fast zu einfach. Vielmehr geht es darum, wie bewusstes Feiern in einer Zeit aussehen kann, in der unser Planet nicht mehr so tut, als wäre unendliches Wachstum möglich.

Weihnachten könnte wieder ein Moment der Reflexion sein:
Ein Fest, an dem wir uns nicht nur selbst etwas Gutes tun, sondern auch Mitgefühl üben – zu Menschen, zu Tieren und zu dem einzigen Planeten, auf dem wir leben können.

Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung unserer Zeit: Weihnachten nicht abzuschaffen, sondern so zu verändern, dass es der Realität standhält.

Nach oben scrollen