Wir haben uns verloren und finden den Weg nicht mehr zurück!

Warum wir seit Fridays for Future in einer Dystopie feststecken, während das Zeitfenster fürs Klima sich schließt.

„Our house is on fire“! Könnt ihr euch noch an die aufgewühlte und aufgebrachte Rede erinnern von Greta Thunberg. Die gerade einmal 16-jährige Schwedin sprach Januar 2019 mutig und beherzte Worte aus, die die junge Generation aufgewühlte. Ein junges Mädchen sagt den Erwachsenen auf einem Wirtschaftsforum, dass sie ihren Job zu tun haben und anfangen müssen zu handeln. Die Fridays for Future Bewegung wurde gestartet!

2018/19 gingen Millionen jugendliche Weltweit auf die Straße. In Österreich führten die Aufrufe und Proteste dazu, dass Landtage die Dringlichkeit erkannten und Vorarlberg rief Juli 2019 den Klimanotstand aus. Ich war damals mit dabei! Schon Jahre davor hatte ich den Entschluss gefasst, vegan zu leben und mich für die Tiere einzusetzen. Treibhauseffekt und Umwelt hatte ich in der Schulzeit kurz gelernt, aber ich hatte nie gewusst, wie ernst es um die Erde stand.

So machte ich mich in meiner Stadt auf um die ersten Klimademos von Fridays for Future zu besuchen. Ich kam zu Plenums und es wurden mit mir kleine Workgruppen gebildet auch um die pflanzliche Ernährung mehr einzubringen in die Debatte. Es war ein Aufruf und ich verstand mit anderen jungen Menschen, was Handeln bedeutet und wie sehr wir politische Entscheidungen brauchen für ein Handeln.

Ein Virus und etwas kippte

2020 kam das Coronavirus nach Österreich. Schon im darauffolgenden März kam der erste Lockdown. Nicht-lebensnotwendige Geschäfte, Restaurants, Schulen und Universitäten wurden geschlossen und Veranstaltungen sowie Kundgebungen wurden abgesagt. Diese einschneidenden Maßnahmen wurden anfänglich akzeptiert. Jedoch kam es relativ schnell zu extremen Positionierungen. Verschwörungstheorien, Rechtsextremismus oder wissenschaftsfeindliche Aussagen wurden lautstark in die Welt geschrien. Ich wusste, dass die Maßnahmen und die Pandemie uns für einen Moment pausieren würden, aber was Angst und Isolation mit den Menschen machte, war mir bis zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. Auch in Österreich wurden gefährliche Verschwörungserzählungen aus Deutschland erzählt, dass das Virus „nur eine harmlose Grippe sei“.

Seit diesem globalen Ereignis, schien nicht nur die Gesundheit der Menschen zu kippen, sondern es kam während den Jahren der Pandemie auch gesellschaftlich zu einem Umbruch. im August 2020 versuchten in Berlin Rechtsextreme, Reichsbürger und Verschörungsideologen in Zuge Coronaproteste die Stufen des Bundestags zu stürmen. Nur ein halbes Jahr später fanden sich Faschisten der MAGA Bewegung zusammen und der gewaltvolle Albtraum wurde am 6. Jänner 2021 in USA Realität. QAnon-Anhänger und Menschen mit offenem Hass auf demokratische Institutionen griffen das Kapitol an. Menschen wurden verletzt, es kam auch zu Toten und Polizisten wurden schwer traumatisiert.

In Europa blieb es bei Bildern, in den USA gab es Tote. In beiden Ereignissen wurde es mir klar, die Demokratie wurde offen angegriffen und in Frage gestellt. Gewalt war legitim und wissenschaftliche Fakten eine Glaubenssache. Das ist natürlich schlecht, wenn wir Menschen erklären wollen, warum es den menschen-verursachten Klimawandel gibt. Für mich fühlte sich diese Zeit an wie ein kollektiver Verlust der Vernunft. Während 2019 junge Menschen mit Fridays for Future auf die Straße gingen, um das Leben zu schützen und Zukunft zu fordern, dominierten nur kurze Zeit später Wut, Egoismus und staatsfeindliche Fantasien den öffentlichen Raum. Der Kontrast könnte größer kaum sein und Verantwortung gegenüber Andere war unwichtig, denn das ICH war am wichtigsten. Irgendwo dazwischen starb die Hoffnung, dass Krisen uns mehr zusammenbringen und wir füreinander da sind.

So stirbt Freiheit: unter tosendem Applaus

Die beunruhigende Zeile aus dem Star Wars Film klingt in der Gegenwart mehr wie eine Vorahnung. Nach den euphorischen Jahre des Klimastreiks verwandelte die Pandemie die Stimmung in Polarisierung. Demokratiefeindlichkeit flammte wieder auf. Weitere Kriege und Terroranschläge spaltete die Gesellschaft weiter und besonders die Klimabewegung. Das wir gegen die und die anderen Positionierungen oder Meinungen sind die Feinde. Dieser Tenor zieht sich durch viele Debatten. Wobei Lösungen oder Konstruktivität keine Rolle mehr spielten. Dieses Aufheizen von Feindbildern lenkt jedoch vom eigentlichen Alarm ab. Der jüngste Bericht des Weltklimarats hält fest, dass das Zeitfenster zum Handeln rasch zugeht. Wenn wir über 1,5 °C hinausschießen, drohen irreversible Kipppunkte wie das Abschmelzen der polaren Eisschilde.

Vielleicht ist es das, was am meisten schmerzt! Es ist dieses Gefühl, dass etwas verloren gegangen ist. Nicht Wissen, nicht Warnungen, sondern Hoffnung. Die Selbstverständlichkeit, dass wir Krisen gemeinsam tragen können. Ich weiß oft nicht mehr, was der nächste richtige Schritt ist. Aber ich weiß, wofür ich bleibe: für die Tiere, für einen Planeten, auf dem Leben mehr bedeutet als Konsum und Bequemlichkeit. Ich will nicht akzeptieren, dass wir Menschen lieber im Hass versinken, als einander die Hand zu reichen, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage zerstören, obwohl wir längst wissen, wie es anders ginge. Vielleicht ist Widerstand heute nichts Lautes mehr, sondern das beharrliche Weitermachen. Das Bestehen darauf, dass Mitgefühl, Verantwortung und Vernunft nicht naiv sind. Sondern notwendig. Denn wir können es besser und genau deshalb dürfen wir nicht aufhören, es zu versuchen.

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